Wenn keiner dich wertschätzt
Fühlst du dich auch manchmal so, als würde dich keiner wertschätzen?
Weil keiner sieht, was du als Mutter und BusinessFrau den ganzen Tag schaffst?
Weil du grade die Küche aufgeräumt hast und zack: schon sieht’s wieder aus wie Sau?
Weil du deine Kinder gebeten hast, eine Kleinigkeit zu erledigen – und sie nach der dritten „Erinnerung“ noch immer am Handy hängen und „keine Zeit“ haben?
Weil mal wieder Zahnpasta-Rotze an der Elektrobürste klebt?
Weil du gefühlt diejenige bist, die IMMER alle Reste im Kühlschrank aufbraucht / die Spritzer vom Badezimmerspiegel wischt / den Wasserkocher entkalkt?
Glaub mir, ich kenne das. Ich kenne dieses schreckliche Gefühl von Ohnmacht, Wut, Verzweiflung, Traurigkeit ... you name it. Ich bin innerhalb von Millisekunden von 0 auf 180. Ok. Lass uns ehrlich sein. Auf 1.180.
Weil ich im Recht bin. Natürlich bin ich im Recht. Oder hab ich etwa nicht das Recht auf ein BISSCHEN Respekt und Wertschätzung, wenn ich 24/7 den Laden hier schmeiße?
Ja, ich könnte mich noch stundenlang reinsteigern.
Die Frage ist allerdings: Was ändert das?
Ich möchte ein paar Gedanken mit euch teilen, die mir geholfen haben, weniger zu leiden. Vielleicht könnt ihr ja mitgehen und euch auch was Gutes tun – indem ihr einen Standpunkt findet, der euch Frieden ermöglicht.
Haushaltsfrust - oder Kindheitstrauma?
Denn worum geht es denn, wenn wir Mütter / „Hausfrauen“ uns so verletzt fühlen durch das „achtlose Verhalten“ unserer MitbewohnerInnen?
Was liegt den unter deiner Empörung über die mangelnde Wertschätzung?
Vielleicht ist es
die Angst, nicht gesehen zu werden
die Angst, nicht genug zu sein
die Angst, nicht verstanden zu werden
die Angst, nicht gehört zu werden
die Angst, nicht geliebt zu werden
die Angst, allein zu sein
die Angst, wertlos zu sein
Was kommt in dir hoch, wenn du das stehen gelassene, schmutzige Geschirr siehst, wenn du NICHT gleich wütend nach den Kindern/deinem Partner rufst?
Ich weiß, das ist keine leichte Übung, denn Wut und die Suche nach einem Schuldigen im Außen hilft uns dabei, unsere Trauer und Verzweiflung nicht zu spüren. Eben NICHT tiefer zu gehen und all den alten Verletzungen zu begegnen. Denn es sind aus meiner Erfahrung so gut wie immer alte Verletzungen, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben.
Raus aus dem Teufelskreis
Doch wenn wir es nicht wagen, bei uns zu bleiben, still zu werden anstatt laut herumzubrüllen – dann werden wir gefangen bleiben in einem Kreislauf von Frust und Schmerz. Denn im Grunde spiegeln uns die anderen mit ihrem „achtlosen“ Verhalten unbewusst, dass wir uns hier abhängig machen. Dass wir etwas verlangen vom andern, auf Teufel komm raus (und der kommt ja dann auch raus ;-). Wir machen uns was vor, nämlich dass wir uns das, was wir unbedingt brauchen (Wertschätzung, Anerkennung, Respekt) NICHT SELBST GEBEN können.
Warum sonst sollten wir wie trotzige Kinder stampfend und brüllend verlangen, dass es uns die anderen geben sollen, UND ZWAR SOFOOORT???
Ja, es ist bitter. Es ist hart, zu erkennen, dass wir es allein selbst in der Hand haben. Dass wir uns jahrelang was vorgemacht und hinter einer Opferrolle verschanzt haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit eine Rolle, in der schon unsere Mütter, Großmütter usw. gefangen waren. Doch wenn wir nicht vor uns davonlaufen, uns nicht dafür schämen oder bestrafen, sondern einfach dableiben und diese Gefühle betrachten – dann lassen der Schmerz und die Wut nach.
Dann kommt eine Stille.
Dann können wir vielleicht sehen, dass es eventuell noch einen anderen Blickwinkel gibt, die vollgerotzte Elektrozahnbürste zu betrachten. Als kleinen Selbstwert-Check: Na, bist du in deiner Mitte? Fühlst du dich wertvoll, genug und richtig? Oder kann dich so eine vollgerotzte Nichtigkeit von einer Zahnbürste auf 1.180 bringen??
Buddha oder Rumpelstilzchen - das ist hier die Frage
Nicht dass ich von solchen Gedanken von heute auf morgen zum Buddha geworden wäre ;-) Natürlich passiert es mir mitunter, dass Spritzer auf dem frisch polierten Spiegel das Rumpelstilzchen in mir kitzeln.
ABER: Wenn ich das bemerke, schaffe ich es öfter, inne zu halten und mich zu fragen: Worum geht es hier grade? Wie gut habe ich mich heute selbst wertgeschätzt, meine Bedürfnisse respektiert, Nachsicht mit mir selbst geübt? Was kann ich also realistischer Weise von anderen erwarten? Und welche Erwartungen sind überhaupt hilfreich? Kurz gesagt: Was brauche ich jetzt gerade???
Und ja, meistens brauche ich es dann gerade, dass ich mal ein bisschen Druck rausnehme für mich selbst. Dass ich mich ganz arg feiere für das, was ich den ganzen Tag leiste – und auch für das, was ich deshalb dann nicht schaffe, weil es einfach zu viel ist. Dass ich auch meine Familie feiere für das, was sie alles leistet (und was ICH oft gar nicht mitbekomme).
Dass ich mir wirklich im tiefsten Inneren bewusst mache, wie schnell der Dreck weggewischt ist – und wie lange es dauert, bis ein Streit deswegen wieder bereinigt ist.